Selbstgemacht?

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Sylvia Füchsle beim Nähen

Kennen Sie das? Jemand betrachtet prüfend was auch immer und sagt dann:

„Selbst gemacht? Echt? Sieht man gar ned!”

Ist das jetzt unverschämt oder unbedacht?

Es gibt kein einziges Kunstwerk dieser Erde, kein einziges, das nicht selbst gemacht ist! Alles, was einzigartig und einmalig ist, ist – vom Künstler – selbst gemacht! Was sonst?

Natürlich kann eine computergesteuerte Naht präziser sein, natürlich kann ein maschinell erstellter Teppich fest und sauber geknüpft sein, und viel billiger. Und doch fehlt am Ende etwas … oder glauben Sie etwa, ein klassisch entstandener Quilt bestünde nur aus Stoffresten und Nähgarn?

Eine Wickeldecke im Entstehen
Eine Wickeldecke im Entstehen

Ich erlebe einen weltweiten Trend zu Dingen, die Menschen in Handarbeit gefertigt haben – als hätten Generationen maschinell entstandener Möbel, Kleidungsstücke oder Accessoirs uns innerlich aufgewühlt und dazu gebracht, endlich wieder mehr selbst Hand anzulegen.

Vielleicht, weil in maschinell gefertigten Dingen etwas fehlt?  Vielleicht weil wir intuitiv eine Sehnsucht nach dem haben nach dem was fehlt?

Gibt es etwas, das Maschinen nicht einbringen können?  Gibt es etwas in den Dingen, das nicht ,,Ding“ ist?

In der Aufmerksamkeit fürs Detail zeigt sich die Liebe, die man für das hat, was man macht.
In der Aufmerksamkeit fürs Detail zeigt sich die Liebe, die man für das hat, was man macht.

Kennen Sie das, wenn plötzlich eine Idee in Ihnen aufblitzt? Kennen Sie das Gefühl, zu wissen, etwas aus dieser Idee machen zu können? Sie verwirklichen zu können? Wissen Sie, wie das einen verändert, wenn es am Ende auch noch gelungen ist? Das ist es, was ich suche, wenn ich nähe – nicht das Endprodukt. Und das ist es, was ich in meinen Kursen zu vermitteln suche.

Was ich mache, mache ich nicht des Geldes wegen – obwohl ich meine Stücke auch verkaufe. Ich nähe, um zu nähen. Das Nähen macht etwas mit mir! Es macht mich zufrieden und ausgeglichen – und auch ein bisschen stolz. Es gibt mir das Gefühl, fähig zu sein – und frei. Und ich glaube, dass es das ist, was wir alle suchen -. aber nicht wirklich in dem finden, was industriell und massenweise entstanden ist.

Vielleicht sollte man sich also besser fragen: „Ist es selbst gemacht? Hoffentlich! …”

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